Dokumentation der Ausstellung LAST EXIT EDEN 2020:

Dokumentation der Ausstellung LAST EXIT EDEN in Sta. Maria Val Müstair Sommer/Herbst 2020

 

Last Exit Eden

Permanente Kunstausstellung Santa Maria

Die Ausstellung LAST EXIT EDEN zeigt Kunst aus der Natur heraus. Kunst aus dem Gedanken der Vielfalt, der Nachhaltigkeit und der Rückbesinnung des Menschen auf seinen biologischen Kern. Der Ausstellungstitel symbolisiert die bedrohte Intaktheit des Natur- und Lebensraums Val Müstair. Gezeigt werden Arbeiten von Schweizer Kunstschaffenden, die sich längere Zeit im Tal aufgehalten haben oder hier leben und die die Leitgedanken des regionalen Naturparks Biosfera Val Müstair und des UNESCO- Biosphärenreservats Engiadina Val Müstair in Kunst umsetzen. Die Aargauerin Denise Bertschi etwa hat ein vierteiliges Postkarten-Set entwickelt, „Ova Spin“, das camouflagiert an diversen Orten in der Val Müstair auftauchen wird. Die Fotografien spielen mit Repräsentation von Landschaft: Was als Berge von harmonischer Schönheit erscheint, sind in Wahrheit Betonsperren, die in den Zwischenkriegsjahren als militärische Abwehr im „Reduit“-Gedanken gebaut wurden. Johanna Bossarts Arbeit «Robi tanzt» spielt mit der Funktionalität des Robidog als Zeichen einer sauberen Schweiz und Mahnung, alarmgrün, unübersehbarer Hinweis an hundeausführende Spaziergänger*innen. Der winkende, tanzende Robidog hat demgegenüber auch etwas Humorvolles, Leichtes und widersteht damit der reinen Funktionalität.

Während die Etzwiler Künstlerin und Bäuerin Marianne Engel unter dem Titel «Kaltes Licht und die Wesenhaftigkeit der Dinge» ein wohl fünfhundertjähriges Gewölbe mit geisterhaftem Leben erfüllt, erinnern die Tierköpfe der Arbeit «AnimalFarm» des Südtirolers Michael Fliri an George Orwells dystopische Fabel: Von Textilobjekten wird eine transparente materielle Haut abgenommen, die sich durch Licht als flüchtiges Schattenspiel präsentiert. Der Berner Filip Haag spielt mit einer uralten Tradition: Er malt mit Engadiner Kalk aus der Brennerei Sur En ein Fresko auf die Fassade des vierhundertjährigen Stalls Plaz d’Ora 17.

Die Flüchtigkeit des Seins, den steten Wandel, Ankunft und Abschied sprechen viele der gezeigten Arbeiten an. Das Zwillingspaar Reto und Markus Huber (Zürich) etwa hat unter dem Titel «Die Zerbrechlichkeit des Daseins» aus Kerzenresten, Brennholz, Töpferwaren und einem Hirschgeweih einen mystisch anmutenden Altar der Vergänglichkeit errichtet. Die gebürtige Fribourgerin Isabelle Krieg verwandelt mit einer sich stetig wandelnden Wachsinstallation einen urtümlichen Wiesenkeller zur Gedenkstätte für Umweltzerstörung und Gletscherschmelze.

Während die Arbeit «MikrokosmosVM» des in Santa Maria lebenden Pascal Lampert die Bildwelt der Val Müstair pointilistisch ummünzt, ist sein Video «Sonch Antöni» wiederum dem Gedenken gewidmet und zeigt die Ausgrabung der Kapelle Sonch Antöni in Sta. Maria von 2015.

Die beiden Werke «Schauen» und «Superwoman» der Winterthurer Künstlerin Theres Liechti thematisieren die Freiheit und Würde von Mensch und Tier. Auch die Arbeit von Vera Malamud aus Santa Maria erinnert im früheren Pferdestall der Chasa Parli mit Kreidezeichnungen und Zitaten an die Tiere, die unter oft unwürdigen Umständen den Menschen dienten. Die in Müstair aufgewachsene Zürcher Künstlerin Esther Schena erforscht in der Technik des Siebdruckes anhand von Überlagerungen das Gegenüber von Sichtbarem und Unsichtbarem.

Wieder ganz der Erinnerung verpflichtet ist die Arbeit des gebürtigen Glarners Andreas Weber: Im Chor der ausgestorbenen Vögel hat er die Stimmen inzwischen ausgestorbener Tiere zu einer Klanginstallation verdichtet: Die Rufe von Wachtelkönig, Haubenlerche, Rotschenkel und Schwarzstirnwürger mischen sich im Hof der Plaz d’Ora 17 mit jenen der Rauch- und Mehl- schwalben, die – noch – im alten Gebälk nisten. Dominik Zehnder aus Cazis zeigt zwei so verspielte wie kritische Arbeiten: «perspectivas per il muvel» (Aussichten fürs Vieh) demonstriert mittels Camera Obscura den sehnsuchtsvollen Blick der im Stall eingesperrten Kühe nach draussen, «Restschneemann» demonstriert die Gletscherschmelze als Ist-Zustand.

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